Sonderausstellungen | Rückblick | Der Norddeutsche Lloyd

Der Norddeutsche Lloyd - Von Bremen in die Welt

17. Juni bis 14. Oktober 2007

Die große Reederei „Norddeutscher Lloyd“, dessen 150. Gründungstag in diesem Jahr begangen wird, ist auch 37 Jahre nach der Fusion mit seinem alten Hamburger Konkurrenten Hapag immer noch ein Mythos. Die schnellen und luxuriösen Passagierdampfer, die Frachterlinien in alle Erdteile, exotische Kreuzfahrten, die größten deutschen Schiffe, Fernweh und Abenteuer – das alles verbindet sich mit dem NDL, der einmal Deutschlands größte Reederei war. Als 1857 eine Gruppe Bremer Kaufleute und Reeder unter der Führung von Hermann Henrich Meier eine Aktiengesellschaft gründeten, mit dem Ziel „einen großartigen, den Bedürfnissen der Zeit genügenden Dampfschiffahrtsverkehr mit europäischen und transatlantischen Ländern, sowie auf dem ganzen Weserstrome herzustellen“, entsprang das damals hauptsächlich der berechtigten Furcht, vom lukrativen Handel mit Amerika abgeschnitten zu werden, da die bisherige Dampferlinie von New York nach Bremerhaven ihren Betrieb einstellte. Die neugegründete Reederei begann 1858 mit dem modernen Schraubendampfer „Bremen“ den regelmäßige Liniendienst über den Atlantik. Nach schwierigen Anfangsjahren wuchs der NDL bald zu einem Großunternehmen. Neben den Routen nach Nord- und Südamerika, auf der die Reederei auch Millionen von Auswanderern transportierte, war sie in der Ostasienfahrt, im Pazifik und in der indisch-chinesischen Küstenfahrt engagiert. 1914 unterhielt sie mit 116 Schiffen Linienverkehre zu 200 Häfen in aller Welt. Darunter waren die legendären Vier-Schornstein-Luxusliner, aber auch die vielen Frachter auf allen Meeren. Nach dem Verlust der Flotte im Ersten Weltkrieg erholte der NDL sich und hatte in den 1930er Jahren wieder mehr als 200 Schiffe unter seiner Schlüssel-und-Anker-Flagge. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der NDL wieder eins der beiden Großunternehmen der deutschen Seefahrt bis er 1970 mit der Hapag zur jetzigen Hapag-Lloyd AG fusionierte.



In Bremen wurde der NDL zum wichtigsten Förderer der industriellen Entwicklung der Stadt. In der Ära des Generaldirektors Heinrich Wiegand wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Industrieunternehmen vom Norddeutschen Lloyd gegründet oder mitbegründet – von der Maschinenfabrik und Werft „Atlas-Werke“ über die Norddeutsche Waggonfabrik, Lloyd-Dynamo bis hin zur Norddeutschen Hütte. Auch die Bedeutung des NDL als Kunde der bremischen Werften oder auch der Bremer Silberwarenindustrie war groß. Und wie die ökonomische Struktur Bremens, so gestaltete der Lloyd auch das Stadtbild mit seinen Bauten am Bahnhof, den Heimen für Seeleute und Auswanderer und natürlich mit der pompösen Hauptverwaltung, deren historistischer Turm die Silhouette Bremens bis zu den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs prägte. „Die Bedeutung des NDL nicht nur für die deutsche Schifffahrts- und Handelsgeschichte, sondern auch für die Entwicklung Bremens und Bremerhavens kann kaum hoch genug eingeschätzt werden“, meint Dr. Heinz-Gerd Hofschen, der Kurator der Sonderausstellung. „Und auch in sozialgeschichtlicher Hinsicht ist der Norddeutsche Lloyd mit seiner durch strikte Hierarchien geprägte Organisation und als Arbeitsplatz für Tausende von Seeleuten, Angestellten und Arbeitern von großem Interesse.“



Die Geschichte des Norddeutschen Lloyd hat auch kunstgeschichtlich bedeutende Aspekte, denn die Ausstattung der Passagierschiffe  - von den Möbeln bis zum Teegeschirr - und die Bauten des NDL spiegeln die Geschichte der angewandten Kunst vom Historismus bis zur gemäßigten Moderne wider.
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Diese spannende Geschichte des NDL und dessen Bedeutung für die Stadt Bremen, die Schiffe und die Menschen, die auf ihnen arbeiteten oder reisten, den üppigen Luxus der großen Passagierdampfer und die Katastrophen, die Arbeit und das Abenteuer, also die Kulturgeschichte dieser großen Reederei zeigt das Focke-Museum in einer großen Sonderausstellung mit Modellen und Gemälden, Kleidung und Plakaten, mit Fotos und Bordgeschirr, mit jüngst aufgetauchten Wrackfunden aus einem gesunkenen NDL-Dampfer, mit touristischen Mitbringseln und vielen anderen Objekten. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen und historischen Vorträgen, aber auch mit Diskussionsveranstaltungen zur heutigen Rolle der maritimen Wirtschaft in Bremen begleitet diese Sonderausstellung, die Teil der Landesausstellung „Der Norddeutsche Lloyd“ ist, an der ferner das Deutsche Schiffahrtsmuseum Bremerhaven und das Historische Museum Bremerhaven beteiligt sind.



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